Belgian Dogs  

Gewicht, Größe und Maße des Schipperkes     



Dr. R. POLLET, Mitglied der belgischen Standardkommission.   

                                       Übersetzung aus dem Französischen:  Arne SCHWARZ


vorhergehende Seite

            

Die Proportionen und / oder Indexe:

Wir wollen nun die wichtigsten Proportionen oder Indexe erläutern, die das Standard-Modell des FCI beinhaltet und die wir aus den Verhältnissen zwischen den diversen von uns bestimmten Massen berechnet haben.

Körperindex:

Der Körperindex,  das auf 100 gebrachte Verhältnis von Körperlänge zur Widerristhöhe, ist sehr wichtig  für den Schipperke. Der Index 100 ist ideal und setzt ein quadratisches Profil voraus, d. h. einen Schipperke von quadratischer Konstruktion.

Es ist sehr schwer, die Länge eines Hundes zu messen, und es versteht sich von selbst, dass die Richter während der Beurteilung im Stand nach Augenmaß die quadratische Konstruktion oder die nicht quadratische Konstruktion schätzen müssen.

Unsere Berechnung der Körperindexe, (Verhältnis Länge des Körpers / Widerristhöhe) x 100, hat folgende Resultate ergeben: 

Kleine : (3-5 kg) Große : (5-8 kg) Alle  
I
Hündinnen
II
Hün+Rüd
III
Rüden
IV
Hündinnen
V
Hün+Rüd
VI
Rüden
VII
Hündinnen
VIII
Hün+Rüd
IX
Rüden
102,62 101,67 98,78 107,60 104,59 103,06 104,95 103,64 102,42

Offenbar sind die Hündinnen ein wenig gestreckter (länglicher Körper) als die Rüden. Jedoch ist es wichtig, festzustellen, dass viele Schipperkes von korrekter quadratischer Konstruktion sind. Eine solche Konstruktion zu verlangen, bedeutet also keine utopische Forderung. Eine quadratische Konstruktion (ein in ein Quadrat passender Körper) ist ein sehr typisches Charakteristikum der Rasse, was um jeden Preis behalten werden muss.

Brusttiefenindex:

Nicht wenige Rassestandards sehen vor, dass die Brusttiefe mit der Hälfte der Widerristhöhe korrespondieren muss, jedoch haben unsere Messungen der Brusttiefe bei verschiedenen Rassen uns viel zu häufig gelehrt, dass die Brüste nicht so tief sind, wie die Standards es verlangen. Es empfiehlt sich also nicht, einen solchen Index der Brusttiefe in den Standards vieler Rassen vorzuschreiben.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Schipperkes, im Verhältnis zu vielen anderen Rassen, eine proportional gesehen eher tiefe Brust haben. Es ist also folglich interessant, über Messergebnisse der Brusttiefe und über die berechneten Brusttiefenindexe zu verfügen. Werte ober, gleich oder unter 0,5 bedeuten jeweils, dass die Brusttiefe höher (niedergestellter oder kurzläufiger oder niederläufiger Hund), gleich oder niedriger (hochläufiger Hund) zur Hälfte der Widerristhöhe ist.

Die Brusttiefenindexe (Brusttiefe geteilt durch Widerristhöhe), errechnet auf der Basis der Körpermessungen der verschiedenen Gruppen von Schipperkes, stellen sich wie folgt dar: 

Kleine : (3-5 kg) Große : (5-8 kg) Alle  
I
Hündinnen
II
Hün+Rüd
III
Rüden
IV
Hündinnen
V
Hün+Rüd
VI
Rüden
VII
Hündinnen
VIII
Hün+Rüd
IX
Rüden
0,477 0,477 0,476 0,467 0,475 0,480 0,472 0,476 0,479

Es ist klar, dass alle diese Mittelwerte nur wenig oder gar keine Variationen darstellen und man deshalb daraus schließen kann, dass der Schipperke eine ziemlich tiefe Brust aufweist. Konkret soll das heißen, dass die Brusttiefe zu 47 – 48% der Widerristhöhe entspricht, oder das der Abstand von Boden bis zur Unterbrust (Bodenabstand) zu 52 – 53% der Widerristhöhe entspricht.

Fanglänge (Schnauze-) / Schädellänge (Stirn-):

Das „Standard“-Modell (Muster-Standard) der FCI erwähnt als wichtigen Maßstab die Länge des Fanges (- des Nasenrückens) im Verhältnis zur Länge des Kopfes.

Jedoch ziehen wir es vor, das Verhältnis „Länge des Fanges / Länge des Schädels“ zu berechnen, denn diese Berechnung gibt uns dieselbe Information, aber spricht mehr an.  

Der Wert dieses Verhältnisses ist 1:1 oder 1 für die meisten Schäferhund-Rassen, was bedeutet, dass der Fang (die Schnauze) und der Schädel (die Stirn) dieselbe Länge haben. Bei vielen Doggen oder doggenähnliche Hunden ist dieses Verhältnis 0,5:1 oder 0,5, was hier bedeutet dass die Länge der Schnauze die Hälfte der Länge der Schädelregion ausmacht.

Die nachfolgenden Werte beinhalten die Ergebnisse unserer Messungen. Diese sind die Durchschnittswerte der Verhältnisse zwischen Fanglänge und der Länge der Stirn oder des Schädels:

                                           alle kleinen Schipperkes: 0,625 
                                           alle großen Schipperkes: 0,641
                                           alle Schipperkes: 0,637

Bevor wir diese Messungen durchgeführt haben, setzten wir voraus, dass die Länge des Fanges zu 3/4 oder 75% der Länge des Schädels ausmachen würde. Offensichtlich ist aber eher  der Wert 2/3 oder genauer 63,7% richtig.

Wenn wir das mittlere Verhältnis „Länge des Fangs / Länge des Kopfes“ berechnen, kommen wir zu einem Ergebnis von 0,389, was wiederum bedeutet, dass die Länge der Schnauze nahezu 40% der totalen Länge des Kopfes entspricht.

Andere Ergebnisse

Da der Schipperke von robustem Bau ist, muss die Brust von der Vorderansicht breit sein, mit gut gewölbten Rippen. Die Brust ist folglich voluminös (Brust- oder Thoraxumfang beachtlich), breit (Brustbreite) und gut tief (siehe oben „Brusttiefenindex“).
Der Schädel der Schipperke ist ziemlich breit, d. h. relativ breiter als bei den meisten Schäferhunden, aber nicht echt breit oder allzu breit. 
Die Durchschnittswerte in Zentimetern dieser Ausmaße sind die folgenden:

 

Brusttiefe 

Brustbreite  Brustumfang  Schädelbreite 
alle kleinen Schipperkes 14,26 12,12 42,55 7,63
alle großen Schipperkes 16,09 13,89 48,50 8,56
alle Schipperkes  15,43 13,25 46,36 8,23

Morphologie des Schipperkes

Was die Morphologie (die äußere Form oder der Körperbau) des Schipperkes betrifft, können evidente Schlussfolgerungen aus den durchgeführten Messungen entnommen werden.

Die Morphologie des Schipperkes ist immer noch kaum bekannt, was sehr erstaunlich ist. Es gibt noch zu viele Leute, auch erfahrene Kynologen, die denken, dass der Schipperke eine Art von Groenendael in Kleinformat ist. Aus diesem Grund haben wir uns bemüht, in dem neuen Standard des Belgischen Schäferhundes und des Schipperkes das allgemeine Äußere dieser beiden Rassen gut zu beschreiben, damit diese falsche Vorstellung endgültig aus dem kynologischen Denken verbannt wird.

Der Belgische Schäferhund ist ein „mittelliniger“ Hund, der Eleganz und Kraft verbindet und der den Eindruck einer eleganten Robustheit vermittelt. Das Schlüsselwort ist also „Eleganz“. In dem neuen Standard dieser Rasse ist folglich „ohne Eleganz“ als Fehler angeführt. Was den Kopf des Belgischen Schäferhundes betrifft, kann man lesen, dass „die Länge des Fangs die halbe Kopflänge entspricht oder leicht übertrifft“,  dass „der Schädel von mittlerer Breite ist“, dass „die Brust wenig breit ist“ und die Vorbrust, von vorne gesehen „wenig breit, ohne dabei schmal zu sein“.

Der Schipperke dagegen ist, im neuen von uns vorgeschlagenen und nun offiziellen Standard, als ein „Schäferhund in Kleinformat, aber sehr kräftig gebaut“ beschrieben, dessen Körper „ziemlich breit und gedrungen“ ist. Der Körper des Schipperkes ist in der Tat „kurz und breit, dadurch gedrungen, aber nicht übertrieben voluminös oder schwer“, und die Brust ist „breit von vorne bis hinter den Schultern“. Sein Kopf ist von „lupoider Form (wolfartig), aber nicht zu lang, genügend breit, harmonisch zum Körper passend“, und die Länge des Fangs ist „ungefähr 40% der gesamten Kopflänge“.

Es ist wohlbekannt dass man, unter Berücksichtigung der Proportionen und Körperform, die Hunde in morphologischen Kategorien einordnen kann. Die bekannteste Klassifizierung ist diejenige, die die Hunde in drei Typen unterteilt: langlinig oder dolichomorph gebaut (schlankes oder schmächtiges Exemplar), kurzlinig oder brachymorph (gedrungenes Exemplar) und mittellinig oder mesomorph (Exemplar mittlerer Proportionen).

Leider wird diese morphologische Terminologie meist falsch verstanden, da man zu häufig die Vorstellung hat, dass diese Begriffe sich auf die Länge des Hundes beziehen. „Langlinig“ hat aber nichts mit dem Verhältnis der Höhe zu der Länge des Körpers zu tun, also mit einem gestreckten (länglichen) Körper oder einem ein Rechteck ausfüllender Körper. Langlinig bedeutet ganz einfach nur, dass das Verhältnis zwischen der Fläche und dem Volumen des Körpers groß ist und der Begriff kurzlinig bedeutet, dass dieses Verhältnis klein ist.

Niemand wird bestreiten, dass der Körperbau des Belgischen Schäferhundes ein mittelliniger Hund ist. Für viele andere Rassen dagegen ist die in den Standards festgelegte morphologische Klassifizierung oft fehlerhaft  und folglich umstritten. Also konnte man in dem Standard des Flandrischen Treibhundes (Bouvier des Flandres) stets lesen, dass er kurzlinig ist, was in der Tat eine übertriebene Behauptung ist. In dem neuen Standard dieser Rasse haben wir deshalb diesen Begriff durch „sub-kurzlinig“ ersetzen können. Dies soll also eine „Mittelform“ zwischen mittellinig und wirklich kurzlinig bedeuten. In der deutschen Version des FCI-Standards (Nr. 191, ‚Flandischer Treibhund’), wurde aber der französische Term ‚sub-bréviligne’ übersetzt durch ‚kompakt, gedrungen’, und leider nicht durch‚ sub-kurzlinig’.

Eine Analyse der Messergebnisse lehrt und beweist nun, dass die Morphologie des Schipperkes im Ergebnis gänzlich unterschiedlich zu der des Belgischen Schäferhundes ist. Der Schipperke ist gewiss kein Groenendael im Kleinformat, weil sein Körperbau eher gedrungen und robust ist. Es ist schon ziemlich erstaunlich, festzustellen, wenn vielleicht auch nicht für einen erfahrenen Kynologen, dass die Messungen des Schipperkes uns zeigen, dass seine Morphologie der des Flandrischen Treibhundes (Bouvier des Flandres) ziemlich nahe kommt. Man kann aber selbstverständlich auch sagen, dass der Schipperke ein lupoider Hund ist, von wölfischem Typ, ganz wie der Belgische Schäferhund, nur dass man hinzufügen muss „mit kurzliniger oder brachymorpher Tendenz“.

Dieser Unterschied im Typ und in der Morphologie, die den Schipperke vom Belgischen Schäferhund unterscheidet, ist gänzlich evident – wie man unschwer sieht – wenn man das äußerliche Bild der beiden Rassen, vom Größenunterschied abgesehen, betrachtet.

Es springt also ins Auge, dass bei dem Schipperke der anatomische Körperbau viel kräftiger, viel robuster und gedrungener ist, was sich durch die Breite des Brustkastens besonders manifestiert, und dass sein Kopf schwerer ist, was sich an dem ziemlich breiten Schädel und dem relativ kurzen Fang zeigt.

Wir können noch ergänzen – was nichts mit den Maßen des Körpers „in der Breite“ zu tun hat – dass der Schipperke genau so gut wie Belgische Schäferhunde nur dann typisierte Hunde sein können, wenn sie quadratisch gebaut sind. Was die Winkelungen betrifft (die Winkel der Gelenke der Gliedmassen), kann man diese beim Schipperke als ein wenig mehr betont als beim Belgischen Schäferhund beschreiben, jedoch gänzlich normal bleibend, was bedeutet, dass im Stand, bei jeder der beiden Rassen, die Hinterläufe unter dem Körper plaziert oder (beim Schipperke) nur leicht rückständig sind (ist die sogenannte ‚natürliche Stellung’ der Hinterläufe).

Die Messergebnisse, die wir hier diskutierten, haben uns beträchtlich geholfen, einige Probleme zu lösen. Probleme, die sich für die belgische Standardkommission bei der Ausarbeitung des neuen Schipperke-Standards ergaben.

Was das Gewicht betrifft, so schien es uns zu präzisieren notwendig, dass es zwischen 3 – 9 kg variieren kann, und dass ein mittleres Gewicht von 4 bis 7 kg erwünscht ist (auf französisch hatten wir geschrieben ‚est recherché’, was bedeutet ‚wird nachgestrebt’).

Letzten Endes haben wir beschlossen die Größe (Widerristhöhe) des Schipperkes doch nicht im neuen Standard zu erwähnen.

Das allgemeine Äußere wurde als lupoid (wolfartig) beschrieben (wurde nicht übersetzt in der deutschen Version).

Dass der Kopf „dem eines Fuchses ähnelt“ (alter Standard = vulpoides Äußeres) ist selbstverständlich weggefallen und ersetzt durch ‚wolfartig’. Zusätzlich haben wir präzisiert, dass der Stirn  ‚assez large’ (‚ziemlich breit’, aber ‚assez = ziemlich’ wurde nicht übersetzt) sein sollte und dass die Länge des Fanges ungefähr 40% der gesamten Kopflänge ausmacht.

Der neue von Belgien vorgeschlagene und nun offiziell publizierte FCI-Standard (Nr. 83, 18.06.2003) fordert ausdrücklich, dass der Schipperke im Quadrat gebaut sein soll, da dieses Charakteristikum unseren Messungen nach „realisierbar“ erscheint, was bedeutet, dass unserer Ansicht nach ein Körper „eingeschrieben in einem Quadrat“ gewiss als züchterisch zu erreichendes Ziel nicht utopisch ist.    


Literatur von derselben Autor: 
-         ‚Schipperke’, Dr. R. Pollet, Interpet Publishing, 157 pages, 2001 (englisch).
-         ‚Belgischer Schäferhund’, Dr. R. Pollet, Bede Verlag, 157 Seiten, 2001.
-         ‚Bouvier des Flandres’, Dr. R. Pollet, Interpet Publishing, 157 pages, 2002 (englisch).
-         ‚Blueprint of the Belgian Shepherd Dog’, Dr. R. Pollet, Publ. ‚Belgian Shepherd Dog Association of Great
           Britain’.  
-         ‚Ein Blueprint des Belgischen Schäferhundes’, Dr. R. Pollet (Űbersetzung: Frau Edith Albert-Denifl).                                               --------------------------------------------------------------------------------------------------

                                                Alle Rechte (Vervielfältigung, Verbreitung, Űbersetzung oder Speicherung
                                             in jeder Form) vorbehalten. Kein Teil des Textes darf  in irgendeiner Form
                                             ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert werden.

                                                      

 

 

 

Sitemap
Before you exit